Sonntag, 16. Februar 2014

Tauchgang an der Thistlegorm im Roten Meer - Teil 2

Da ich bei der Thistlegorm nur einen Tauchgang gemacht habe, habe ich mich hier einem Guide angeschlossen. Das war auch gut so, denn so hatte ich die Gelegenheit, die interessantesten Dinge auf dem doch sehr großen Wrack zu erkunden.

Viel zu sehen an Deck der Thistlegorm

Riesige Ankerketten und Zahnräder

Schöner Bewuchs am Wrack

Viele bunte Fische

Wir sind zunächst an Deck über das Wrack hinweg getaucht und anschließend haben wir die verschiedenen Laderäume mit den LKW, Motorrädern und Autos erkundet.

Zerfallener LKW

Motorräder

Diese Riesenmuräne wohnt hinter einem LKW-Reifen

Ein Auto

Mit Licht wird jede dunkelste Ecke bunt

Der Aufstieg war dann ähnlich anstrengend wie der Abstieg. Schon beim Sicherheitsstopp auf 5 m hat man den starken Seegang wieder gemerkt und wurde ordentlich hin und her geschubst. Das Hangeln am Seil an der Oberfläche und das Hochklettern der Leiter mit der ganzen Tauchausrüstung auf das Tauchdeck haben mir dann den Rest gegeben. Nach dem Tauchgang, der ein Early Morning-Tauchgang war, war ich mit meinen Kräften am Ende. Aber ich musste mich jetzt ja auch nur noch aus den Tauchklamotten schälen, mich in den Salon schleppen und konnte dann da ausgiebige Frühstück mit Omelette und Pfannkuchen von Jussef genießen, um mich wieder aufzupäppeln. Die Strapazen haben sich für den wirklich tollen Tauchgang an der Thistlegorm gelohnt.

Am Seil zurück zur Oberfläche

Tauchgang an der Thistlegorm im Roten Meer - Teil 1

Briefing vor dem Tauchgang

Die Thistlegorm ist wohl das bekannteste Wrack in Ägypten. Deshalb ist es auch ständig von diversen Tauchbooten belagert - allein ist man dort wohl niemals, schätze ich. Als wir dort waren, hatten wir ziemlich unruhige See und starke Strömung, die den Ein- und Ausstieg ziemlich anspruchsvoll machten. Für mich war es dadurch der anstrengendste Tauchgang des ganzen Reise. Aber für das, was uns dann unten beim Wrack geboten wurde, hat sich das allemal gelohnt. Natürlich ist das Wrack von diversen unverbesserlichen Tauchvandalen ziemlich geplündert und beschädigt, aber trotzdem gibt es besonders auch unter Deck sehr viel Spannendes zu entdecken.

Die 126 m lange Thistlegorm war ein britisches Frachtschiff, das am 6. Oktober 1941 von deutschen Flugzeugen versenkt wurde. Die Ladung bestand aus Waffen, Munition und Ausrüstungsgegenständen, die für die britische Armee in Afrika bestimmt waren. An Bord befanden sich u.a. Panzer, Lastwagen, Motorräder und 2 Lokomotiven und Eisenbahnwaggons.

Viele Tauchboote liegen über der Thistlegorm vor Anker

Kniffliger Einstieg

Schemenhaft ist die Thistlegorm unten schon zu erkennen

Als wir dort waren, war die Seawolf Soul am Bug mit dem Wrack verbunden, so dass man von der Tauchplattform springen musste, sich dann an einem Seil an der Seite des Schiffs nach vorne zum Bug hangeln musste, um dort das Ankerseil für den Abstieg zum Wrack nutzen zu können. Dabei musste man aufpassen, an der Oberfläche durch die hohen Wellen nicht gegen das Tauchboot gedrückt zu werden. Thomas und ich mussten gleichzeitig auch unsere Kameras schützen und konnten das Seil zum Bug daher gar nicht richtig mit beiden Händen fassen. Unten bei der Thistlegorm war der Tauchgang dann sehr relaxt. Die Thistlegorm bietet durchaus Stoff für mehrere Tauchgänge. Aber man muss sich damit abfinden, dass man dort zusammen mit einer großen Horde anderer Taucher unterwegs ist.

Aufbauten an Deck

Aufbauten an Deck

Viel Rost an Bord der Thistlegorm

Vielen Taucher unterwegs bei der Thistlegorm

Alles ok

Verschweißter Eisenbahnwaggon an Deck

Ablauf eines typischen Tages auf einem Tauchsafari-Schiff


Ein typischer Tauchtag auf einem Safariboot besteht meist aus Tauchen, Relaxen, Essen und Schlafen. Bei einem Maximum an 4 möglichen Tauchgängen - wie in unserem Fall - pro Tag sieht das dann folgendermaßen aus:


6 Uhr wecken für den Early Morning Dive. Da heißt es: schnell aufstehen, kurz waschen und einen Kaffee trinken. Dann gibt es das erste Briefing. Die Buddy-Teams werden ermittelt und es wird geklärt, wer mit Guide tauchen möchte und wer ohne.



Dann ab in die Tauchklamotten und rein ins Wasser - das macht wach. Nach dem Auftauchen riecht man schon den leckeren Vanilleduft von Pfannkuchen und schon fängt der Magen an zu knurren. Nach einem Tauchgang schmeckt das Frühstück unglaublich gut :o).




Danach ist erst mal relaxen angesagt, bevor der Gong für das zweite Briefing am späten Vormittag kommt. Nach dem zweiten Tauchgang gibt es Mittagessen und danach - richtig - wieder Relaxen an Deck und die Sonne genießen (im November war es mit ca. 24 Grad sehr schön).




Nach dem dritten Briefing und Tauchgang gibt es vor dem Abendessen an manchen Tauchspots noch die Möglichkeit eines Nachttauchganges mit Beginn der Dämmerung. Dann gibt es Abendessen und anschließend macht man es sich an Deck mit einem Bierchen gemütlich, trägt seine Tauchgänge in sein Logbuch ein und plaudert mit den anderen Tauch-Kollegen über das, was man unter Wasser alles erlebt hat.




Man ist quasi den ganzen Tag lang an der frischen Luft und alles läuft sehr entspannt ab. Und unglaublich, wie viel man tagsüber so schlafen kann auf einer Tauchsafari. Und auch abends haben wir nicht allzu lange durchgehalten. Ich selbst bin noch nie mit Nitrox getaucht, aber ich glaube, dass man deutlich weniger k.o. ist, wenn man mit Nitrox tauchen kann. Das probiere ich dann eben beim nächsten Tauchurlaub mal aus.

Video von der SS Turkia im Golf von Suez

Tauchgang an der SS Turkia mit Thomas. Tauchsafari: Nordtour mit der Seawolf Soul im Roten Meer in Ägypten im November 2013.

Mit der Seawolf Soul zur SS-Turkia im Golf von Suez

Am Abend haben wir die 14 Stunden lange Fahrt nach Norden durch den Golf von Suez Richtung Suez Kanal angetreten. Die See war sehr rau, so dass an Schlaf kaum zu denken war. Wir hatten alles in unserer Kabine gesichert, trotzdem ist einiges umher geflogen. Und wir selbst auch. Die Fahrt ging gegen die Wellen und der Bug somit immer rauf und runter, so dass man bei jeder Welle zwischen Kopf- und Fußende des Bettes hin und her gerutscht ist. Einige von unserer Tauchergruppe haben das nicht allzu gut vertragen.

Bug der SS Turkia - umschlungen von Fischernetzen


Thomas bei seiner Lieblingsbeschäftigung unter Wasser


Viele Fischschwärme

Aber die Fahrt hat sich gelohnt, denn das Ziel war die SS Turkia. Die Turkia ist ein Wrack im Golf von Suez und wird wegen der abgelegenen Lage nur selten betaucht. Das 91 Meter lange Frachtschiff, sank im Mai 1941 auf seiner Fahrt von New York nach Piräus. Die Ladung bestand aus Reifen, Kabeln und Munition für die griechische Armee.


Zeichnung des Guides beim Briefing


Der Frachtraum ist voller Reifen


Mini-Bewohner in großem Autoreifen


Thomas



Dieser Anemonenfisch wohnt zwischen Granaten

Der tiefste Punkte bei der Schiffsschraube liegt bei ca. 22 m und ist somit sehr gut zu betauchen. Das Wrack ist mit vielen schönen Weichkorallen bewachsen und eingehüllt in viele große Schwärme kleiner Fische.


Weichkorallen


Ein Steinfisch


Im Frachtraum der Turkia


Der Maschinenraum


Alles bewachsen und voller Fische

Das besondere Highlight an diesem Tauchtag war der 100ste Tauchgang von meinem Buddy Thomas, mit dem ich schon fast alle Tauchgänge in meinem Taucher-Dasein gemeinsam bestritten hatte. Und so ein besonderes Wrack wie die Turkia ist da ein perfekter Ort, um das zu feiern. In meiner Jacket-Tasche habe ich ein laminiertes Plakat mitgebracht, das ich ihm unter Wasser dann überreicht habe.


Glückwunsch, Thomas!


Hat Spaß gemacht, die Turkia :o)

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